Beiträge vom Januar, 2008

KLINKEN! – oder: der Everest des kleinen Mannes

Sonntag, 13. Januar 2008 2:18

Ich will heute ganz klare Selbstbeweihräucherung betreiben. Hin und wieder gehe ich mit ein paar Freunden zum Klettern in einer nahen Kletterhalle. Wir alle sind da recht motiviert bei der Sache. Schon unter der Woche juckte es in der Fingern, und als ich dann erfuhr, dass die “Kollegen” ohne mich beim quasi-heimlichen Trainieren waren, am Donnerstag Abend, packte mich die Motivation.

Klettern hat irgendwie seine eigenen Regeln, und man versucht einfach immer wieder, sich selbst zu übertreffen. Eine Aufgabe, an der wir schon seit ca. einem Jahr herumknabbern ist “das Dach”. Eine Route, die erst etwa 12 Meter gerade nach oben geht; mit kleinem Überhang, aber das ist nicht all zu schwierig und gut zu meister. Aber daran anschließend im Winkel von etwa 110° erstreckten sie 6 weitere Harken im Abstand von je 2 Metern, in die es einzuklinkeln gilt. Man nimmt bei dieser Klettertaktik das Seil “selbst mir nach oben” (sog. Vorsteigen). Das bedeutet, dass man immer wenn man den nächsten Harken erreichen kann, und einen sicheren Stand oder Halt hat, “klinken muss”. (also das Sicherungsseil weiter oben einharken).

Nun wir übten ja an dieser Route schon seit längerem und haben bisher immer nur die ersten 2 (manchmal sogar 3) Harken geschafft. Danach waren die Kräfte aufgebraucht oder die Belastung zu hoch. Diese Woche habe ich nun erfahren, dass einer der Kollegen “4 mal im Dach geklinkt hat”. Also packte mich schon Mitte der Woche die Motivation wieder “gleich zu ziehen”. Ich stand als heute Morgen mit der Intention auf: “heute wird 4 mal im Dach geklinkt”.

Der Tag verlief ruhig und mit “lockerer Arbeit”, etwas Platinenlöterei. IT-Services beim Nachbarn und ein bisschen Kaffeetrinken und Essen kochen mit Freunden. Um 1800 waren wir zum Klettern verabredet. Um 1830 waren wir schon gut dabei, sind aber mittlerweile so klug erstmal “was leichteres zum Einstieg” zu klettern.

Irgendwann wollte es klein Jan dann wissen und wagte sich wiedermal ans Dach. Die Kollegen hatten unter der Woche schon eine neue Taktik ersonnen, wie man dort am besten Halt finden könnte. (linker Arm und rechtes Bein, Spannung aufbauen und dann loslegen). Erst war der Kollege dran, den ich sicherte. Ich sicherte recht stamm und wollte ihn “nah an der Decke halten”, dies erwies sich in der Nachbesprechnung (leider wollte das Klinken in Harken Nummer 3 nicht gelingen) als Nachteil. Jedem ist klar, dass man normalerweise nach dieser Dach-Aktion keine großen Sprünge mehr machen kann, da die Finger nicht mehr so wollen wie man selbst. Ich klinkte also recht zügig die ersten 2. Machte dann eine kurze Pause um dann #3 in Angriff zu nehmen. (das war das 2te mal überhaupt) Mit der neuen Technik und der übergroßen Motivation war dies wirklich überraschend einfach. Also ohne großes rumtun auf zu #4. Dieses ging auch recht gut voran.

Das Tagesziel war nun erreicht und die Tipps, welche die Kollegen 12 Meter unter einem gaben gingen nun auch langsam aus. Weiter als #4 waren wir nie gekommen. Also legte ich hier eine längere Pause ein (der arme Sicherer musste natürlich immer schon festhalten, aber dank neuem Sicherungsgerät weniger problematisch, und auch das “eher viel Seil lassen beim Vorwärsbewegen” erwies sich als erfolgreich).

Nun wollte ich es wissen und wagte mich an Expresse #5. Auch hier ging das einigermaßen gut und ich konnte tatsächlich erfolgreich klinken. Ich musste zwar 3 mal ansetzen und holte mir nen irren Krampf im Unterschenkel links, aber von unten wurde gesagt “das wird ja wohl gehen”; und es ging. Daraufhin wollte ich zwar #6 wirklich gern erreichen, nach 3 erfolglosen Versuchen (einer davon war wirklich verdammt nach dran, hatte sogar schon das Seil 2m gezogen und zum klinken angesetzt) und dem Gedanken daran, dass ich nachher noch ein paar leichtere Routen gehen wolle verwarf ich dieses Vorhaben und verschob es auf das nächste mal. Beim “erfolglosen Versuchen” ist es keine Seltenheit mal eben 1-1,5 Meter ins Seil zu fallen, mein armer Sicherer grub sich mit den Schuhen mehr als einmal in den geschotterten Hallenboden. (DANK DIR!)

Seis drum, sogar eins weiter als die Planung vorgesehen hatte. Recht glücklich wurde ich die guten 13 Meter zum Boden abgelassen. Erstmal Pause machen. Nach ein bisschen Sicherungsarbeit und 2,5 Routen später war die Kraft dann wirklich aufgebraucht und der Muskelkater wartete nur darauf endlich los zu legen.

Danach noch duschen und was trinken gehen, und schon findet ein normaler Samstag einen echt positiven Ausklang. Wobei ich zugeben muss, während ich das Tippe: Das fällt immer schwerer die Tasten zu drücken und vorhin beim Zahnpaste zuschrauben bekam ich die Tube kaum zu, so sehr merkte ich die Unterarme. Naja mal sehen wies morgen aussieht; und die #6 wird dieses Jahr noch fallen und somit die Route erfolgreich abgeschlossen.

im Dach: beim Klinken von #3

Thema: privates | Kommentare (3) | Autor: Jan

das tapfere Schneiderlein

Sonntag, 6. Januar 2008 20:55

Bei sehr vielen Dingen im Leben ist es irgendwas “das erste Mal”. Dieses “erste Mal” kommt nach ungewiss langer Zeit. Das erste Wort kommt meist recht früh. Das erste Mal alleine zur Schule gehen mit um die 6, das erste Mal Autofahren mit um die 18, uswusw. Es gibt so oft ein “erstes Mal”, und ich habe heute zum ersten Mal mit ner Nähmaschine genäht.

Der Badezimmerteppich war ausgerissen und für “mit der Hand nähen” war es einfach zu viel Stecke. Außerdem reizen mich solche Herausforderungen. Also schwupps die Maschine aufgebaut; und schon begannen die Probleme. Wie legt man da den Faden ein. Diese Frage beschäftigte mich gute 30 Minuten. Nagut ich habe etwa 10 Minuten probiert, dabei ist er immer wieder abgerissen, dann habe ich 10 Minuten die Gebrauchsanleitung zu einem etwa 20 Jahre alten Gerät gesucht. Natürlich unerfolgreich. Danach habe ich (ganz “new generation”) im Internet nach entsprechenden Anleitungen, howtos, pdfs oder Beschreibungen gesucht. Auch unerfolgreich.

Also sagte ich zu mir: “Jan, reiß dich zusammen, du willst mal ein Ingenieur werden”. Also hab ichs nochmal versucht und war diesesmal erfolgreich. Es war viel einfacher als gedacht, das Ding macht das ja quasi von selbst. Ich habe erfolgreich zu Testzwecken 2 Lagen Klopapier fachmännisch vernäht. Ein Traum; und schon hat man 8-lagiges, extrastarkes Klopapier mit orange-gelbem Rand.

Also ran an den Speck. Der Badezimmerteppich war ratz-fatz wieder zusammengezimmert, es war ja auch nur der Rand an einer Seite bissl ausgerissen. Das ist irgendwie wie löten, nur ohne Zinn, dafür mir Fäden. Man könnte fast sagen es machte mir Spaß. Und mein Erfolgserlebnis hatte ich auch; und weils so schön war gleich nochmal 2 Klopapiere vernäht. :)

Leider habe ich keine Bilder gemacht, aber wer gern mal 8-lagiges Klopapier will: einfach melden. Ich schicke das dann entsprechend zu.

Thema: privates | Kommentare (8) | Autor: Jan